A wie Abschreiben – aus “Kinder mit LRS stärken”

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Abschreiben ist nicht gleich abschreiben

Kinder mit einer Lese-Rechtschreibschwäche neigen dazu, beim Abschreiben nicht das Wort an sich, sondern die einzelnen Buchstaben abzuschreiben. Nicht selten erlebe ich, dass diese Kinder das abzuschreibende Wort vorher noch nicht einmal gelesen haben. Warum auch? Etwas zu lesen und sich anschließend merken zu müssen, kann anstrengend sein.

Die Strategie, Buchstabe für Buchstabe abzuschreiben, ist also durchaus nachvollziehbar, denn so muss das Wort

  1. nicht richtig gelesen werden,
  2. nicht gemerkt werden und
  3. sie reduziert die Anzahl der Fehler.

Eine Strategie mit Nachteilen

Der große (immens große!) Nachteil dieser Strategie ist jedoch, dass sie das ⛔Einprägen der Wortbilder verhindert oder zumindest nicht voranbringt. 🎯 Die automatische Wortbilder-Erkennung ist jedoch Grundlage für ein sicheres Lesen. Auch dauert das Abschreiben Buchstabe für Buchstabe ⛔ unverhältnismäßig lange, denn der Blick wandert immer wieder zwischen dem zu abzuschreibenden und dem geschriebenen Wort. Dies kann ⛔ das Schriftbild wackelig und unregelmäßig erscheinen lassen. Hinzu kommt, dass ⛔ übersehene Buchstaben nicht entdeckt werden – eine Selbstüberprüfung ist also nur möglich, wenn wiederum Buchstabe für Buchstabe mit der Vorlage abgeglichen wird. Wieder findet ⛔ keine Abspeicherung des Wortbildes statt.

Eine Verbesserung der Lese- und Schreibleistung ist also gekoppelt an die Automatisierung der Wortbilder.

In der Praxis bedeutet dies: Ein Wort muss nicht immer wieder von Neuem hergeleitet und Buchstabe für Buchstabe erarbeitet werden, sondern ist in seinem Gesamtbild im Gedächtnis abgespeichert.

Damit die Automatisierung der Wortbilder erfolgen kann, ist es jedoch unumgänglich, sich immer wieder mit dem gesamten Wortbild auseinanderzusetzen.

Mein Tipp

für Abschreibübungen aller Art:

Wort genau lesen ⇨ Wort in Silben sprechen und mögliche Fehlerquelle benennen ⇨ Wort abdecken ⇨ Wort in Silben sprechen und mögliche Fehlerquelle benennen ⇨  Wort schreiben ⇨ Wort kontrollieren

Der Fokus liegt ununterbrochen auf dem gesamten Wort. Bei längeren Wörtern werden diese beim Lesen in ihre Silben gegliedert. Der Schreibprozess findet dann auch Silbe für Silbe statt – die innere Stimme liest mit und kontrolliert, ob alle gesprochenen Buchstaben auch geschrieben wurden. Die Selbstkontrolle wird ebenfalls in Silben durchgeführt. Es kann helfen, mit dem Finger das Lesen und Kontrollieren zu unterstützen.

Ein Beispiel:

✔ Ich lese das Wort “angenehm”.

✔ In Silben spreche ich “an-ge-nehm”.

✔ Der Wortstamm “nehm” kommt von “nehmen” und wird deshalb mit einem Dehnungs-H geschrieben.

✔ Ich decke das gesamte Wort ab.

✔ Ich spreche: “an-ge-nehm” wird mit einem Dehnungs-H geschrieben.

✔ Ich schreibe das Wort und konzentriere mich auf die Silbe, die ich gerade spreche.

✔ Silbe für Silbe schreibe ich alle Buchstaben, die ich höre.

✔ Ich erinnere mich an eine mögliche Rechtschreibfalle: hier das Dehnungs-H.

✔ Ich lese mein geschriebenes Wort noch einmal in Silben.

✔ Ich lese das Wort unter der Abdeckung noch einmal in Silben.

✔ Alles richtig? Dann bitte einmal kräftig auf die Schulter klopfen! 👍

🎯 Dies ist anfangs eine zeitaufwendige Methode – aber sehr effektiv!

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 Material zum Trainieren dieser Methode finden Sie beispielsweise hier.

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Wie kann das Sprechen und Schreiben in Silben dabei helfen, beim Abschreiben zusätzlich Fehler zu reduzieren?

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2 Comments

    1. Diana Rohrbeck

      Vielen Dank für diese liebe Rückmeldung! Das freut mich sehr! 🥰

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