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Das lange -ie-

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Ein typischer Fehler für Kinder mit Lese-Rechtschreibschwäche ist das lange -ie-, oder besser gesagt das Weglassen des -e- im lang gesprochenen -i-.

Eine Lese-Rechtschreibschwäche braucht Strategien

Kindern mit einer LRS fehlt in der Regel eine automatisierte Wortbild-Erkennung. Sie können nicht auf eine abgespeicherte Schreibweise eines Wortes zurückgreifen und bauen sich daher meist mühsam die zu schreibenden Wörter Buchstabe für Buchstabe zusammen. Das betrifft oft auch Wörter des Grundwortschatzes (also Wörter, die bekannt sein sollten), woraus innerhalb eines Textes mehrere verschiedene Schreibweisen eines Wortes resultieren können.

Die Förderung einer automatisierten Wortbild-Erkennung gehört deshalb zu den obersten Prioritäten, wenn Sie Ihr Kind bei der Überwindung seiner Lese-Rechtschreibschwäche unterstützen wollen. 

Doch auf dem Weg dahin braucht es Strategien, um die Fehler beim Schreiben weiter und weiter zu reduzieren.

Strategien brauchen Regeln

Eine unerlässliche Strategie zur Reduzierung von Rechtschreibfehlern in freien Texten ist das anschließende Korrekturlesen – gezielt und selektiert. Wenn Sie sich gerade unsicher sind, wie saubere Korrekturlesestrategien genauso effektiv sein können wie ein Rechtschreibtraining, dann ist dieser Artikel richtig für Sie. Und damit Ihr Kind beim Korrekturlesen auch Fehler finden kann, braucht es klare Regeln an der Hand.

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Deswegen habe ich Ihnen hier ein paar Regeln für das lange -ie- zusammengestellt. Vielleicht ist für Ihr Kind genau die richtige dabei. Warum ich das so sage? Es gibt nicht die eine Regel, die alle Schreibweisen abdeckt und mit der man von heute auf morgen keine Fehler mehr macht beim Schreiben. Vielmehr gibt es mehrere Ansätze und nicht jeder Ansatz ist für jedes Kind geeignet. Aber unser Ziel ist auch nicht das fehlerfreie Schreiben (zumindest noch nicht) – sondern die Senkung der Fehleranzahl. Unser Ziel ist es, dass Ihr Kind erkennt, dass es auch ohne fremde Hilfe eigene Fehler finden und verbessern kann. Unser Ziel ist ein selbstbewusstes Kind, das weiß, dass Fortschritte möglich sind. Unser Ziel ist Motivation.

Zu den Themen Selbstwirksamkeit und Motivation gibt es übrigens eigene Artikel, in denen Sie sicher noch die eine oder andere Anregung für den Alltag finden können.

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1. Das lange -ie- am Ende einer offenen Silbe

Gründliches und bewusstes Sprechen in Silben kann dabei helfen, das lange -ie- in einem Wort zu erkennen. Denn die Regel lautet: Hört man am Ende einer offenen Silbe ein langgesprochenes -i-, so wird dieses als -ie- geschrieben.

Beispiele: lie-gen, die-nen, nie-sen, lie-ben, die Nie-te

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Diese Regel geht eng damit einher, dass hinter einem langgesprochenen Vokal nicht gedoppelt werden darf. Wenn Ihr Kind also bereits sicher weiß, dass Brie-fe mit nur einem -f- geschrieben wird, dann lohnt es sich, noch einmal genauer hinzuhören: Sage ich Brif-e oder Bri-fe. Das -f- gehört beim Silbensprechen in die zweite Silbe und somit wird das -i- am Ende der vorderen Silbe lang gesprochen und auch lang geschrieben als -ie-.

Mir ist sehr bewusst, dass das Schreiben und Sprechen in Silben eine sehr umstrittene Methode und nicht für jedes Kind geeignet ist. Für diejenigen Kinder, denen das Sprechen in Silben gut bis sehr gut gelingt, ist es eine ausgesprochen effektive Methode. Hier berichte ich von einem Fallbeispiel aus meiner Praxis.

Ich weiß, dass sich für jemanden erst einmal kompliziert anhört, der nicht (wie ich) an fünf Tagen in der Woche über diese Themen spricht. Das können Sie gerne auch genau so mit Ihrem Kind besprechen: “Auch für mich ist es nicht leicht, sich mit diesem Thema zu beschäftigen. Aber gemeinsam werden wir die Nuss schon knacken!”

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Zum gemeinsamen Üben habe ich das Arbeitsheft “Die Sache mit den langen und kurzen Vokalen” für Sie. Hier erkläre ich noch einmal von Grund auf, wie die Kinder in der Schule mithilfe von lang und kurz gesprochenen Vokalen (bzw. offenen und geschlossenen Silben) die Regeln zur Konsonantendopplung lernen. Darauf aufbauend ist das Arbeitsheft “Die Sache mit der Dehnung und Dopplung” eine gute Möglichkeit, um die gelernten hörbaren Unterschiede direkt anzuwenden.

2. Das lange -ie- in Verben

Verben mit -ieren am Ende besitzen alle (!) ein langes -ie- . Daraus können Sie beispielsweise auch ein Spiel machen: Wer findet mehr Verben? Wer schreibt das lustigste Gedicht? Wie oft schaffen wir es, den Ball hin- und herzuwerfen und dabei immer wieder ein neues Verb zu finden? (Warum Sie mit Bewegungsspielen noch so viel mehr fördern als die Bewegung an sich, dazu können Sie hier weiterlesen.)

Hier ein paar Beispiele: probieren, verlieren, kassieren, addieren, halbieren, mutieren, marschieren, kalkulieren, hofieren, nummerieren, garantieren





3. Ausnahmen

Tiere und andere Eigennamen

Vorsicht bei Wörtern, die nicht ursprünglich aus der deutschen Sprache stammen. Dies ist insbesondere bei Tieren oft daran erkennbar, dass sie in Deutschland nicht heimisch sind.

der Biber, die Viper, der Tiger, der Delfin, das Bison

Dies trifft auch auf andere Eigennamen zu: der Nil, der Tigris, Niger, Paris, Turin

Wörter mit -iv am Ende

Ebenfalls eine Ausnahme bilden die Wörter mit -iv am Wortende. Auch wenn hier das -i- lang gesprochen wird, wird es als einfaches  -i- geschrieben. Wie bereits gesagt, ist das lange -ie- eine deutsche Erfindung. Und die meisten Wörter (auch wenn einige von ihnen uns gar nicht mehr als Fremdwörter erscheinen) haben einen lateinischen Ursprung.

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kreativ, sensitiv, negativ, positiv, das Motiv, das Adjektiv, das Stativ

Automatisierung der Wortbild-Erkennung

Das Wissen, wann ein langes -ie- geschrieben wird (oder welche Ausnahmen es hierbei gibt)., ist die Grundlage dafür, um beim Korrekturlesen gezielt auf Fehlersuche gehen zu können.

Das Kennen der Regeln alleine wird die Anzahl der Rechtschreibfehler beim freien Schreiben jedoch nicht reduzieren können. Beim freien Schreiben müssen die Kinder sich auf so viele Prozesse gleichzeitig konzentrieren (Inhalt, Ausdruck, roter Faden, Aufgabenstellung, leserliche Schrift, Zeit, …). Da hat die Rechtschreibung keine Priorität. Damit Fehler langfristig ausgemerzt werden können, müssen die Wortbilder im Langzeitgedächtnis fest abgespeichert sein. Diesen Prozess der automatisierten Wortbild-Erkennung können Sie fördern, beispielsweise durch ein gezieltes Lesetraining mithilfe von Lesekarten. Hier sind Wörter mit gleichen orthografischen Merkmalen (beispielsweise die Lesekarten “das lange -ie-“) nach phonologischen Ähnlichkeiten sortiert. Auf diese Weise können die Kinder die Verknüpfung von Wortklang und Schreibweise besser herstellen und abspeichern.

Ein Exkurs in die Grammatik

Zum Abschluss möchte ich noch eine vielleicht unwichtige, aber dennoch interessante Erkenntnis mit Ihnen teilen:

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Viele Verben werden im Perfekt (auch als 2. Vergangenheit bezeichnet) mit der Vorsilbe ge- gebilet.

Ich stehe. – Ich habe gestanden.





Ich laufe. – Ich bin gelaufen.

Ich esse. – Ich habe gegessen.

Ich springe. – Ich bin gesprungen.

Die Verben auf -ieren bilden hier eine Ausnahme.

Ich verliere. – Ich habe verloren.

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Ich probiere. – Ich habe probiert.

Ich subtrahiere. – Ich habe subtrahiert.

Ich prokrastiniere. – Ich habe prokrastiniert. (Wenn Sie wissen wollen, was dieses Wort bedeutet, dann kann ich Ihnen diesen Link zu Wikipedia empfehlen.)

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Diese Erkenntnis verbessert vielleicht nicht unbedingt die Rechtschreibleistungen Ihres Kindes. Aber als Sprachliebhaberin wollte ich sie dennoch gerne mit Ihnen teilen.

Noch mehr Regeln zur Reduzierung von Rechtschreibfehlern finden Sie in diesem Artikel.













 

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