Englisch bei LRS - Wachsenlernen | Lerntraining | Diana Rohrbeck

ENGLISCH BEI LRS

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Lese-Rechtschreibschwäche kurz erklärt

Kinder mit einer Lese-Rechtschreibschwäche haben – allgemein gesagt – Schwierigkeiten mit dem Lesen und Schreiben. Dies ist in der Regel auf eine fehlende Automatisierung der Wortbild-Erkennung zurückzuführen. Während wir beim Lesen also auf ein Wort schauen und dieses im Ganzen erfassen, beginnen Kinder mit Lese-Rechtschreibschwäche am Anfang des Wortes und bauen dies mühsam Buchstabe für Buchstabe zusammen.

Das führt zu einer verringerten Lesegeschwindigkeit. Aber es braucht eine Lesegeschwindigkeit von mindestens 100 Wörtern pro Minute, um das Gelesene adäquat zu verarbeiten. Nach der Lesegeschwindigkeit bleibt also das Textverständnis auf der Strecke. 

Auch beim Schreiben können die Wörter aufgrund der fehlenden automatisierten Wortbild-Erkennung nicht problemlos abgerufen und zu Papier gebracht werden. Der Wortaufbau Buchstabe für Buchstabe raubt Zeit und ist außerdem sehr fehleranfällig. Die deutsche Sprache kann zwar als “eher lautgetreu” bezeichnet werden – jedoch ist sie weit davon entfernt, dass es eindeutige und zweifelsfreie Buchstabe-Laut-Zuordnungen gibt. Das Ergebnis ist eine mangelhafte Rechtschreibung.

Eine längere Erklärung zu den Zusammenhängen finden Sie in diesem Artikel zum Thema Lesetraining.

Hinzu kommt häufig auch noch ein gewöhnungsbedürftiges Schriftbild. Ist die eigene Handschrift nicht automatisiert – sie geht also nicht leicht und flüssig von der Hand – dann entstehen hier weitere Fehlerquellen.

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1.Was hat LRS mit Englisch zu tun?

Während ich mit meinen Schülerinnen und Schülern auch Korrekturkompetenzen trainiere (also das gezielte Suchen von Fehlerschwerpunkten in selbst geschriebenen Texten), haben diese Kinder es im Englischunterricht doppelt schwer. Das gründliche Sprechen in Silben oder das Herleiten von Wortstämmen hilft ihnen nicht. 

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Englisch ist eine Sprache, bei der die Buchstabe-für-Buchstabe-Erfassung nicht nur zur Langsamkeit verdammt – sondern schlichtweg nicht funktioniert. 

1.1. Die Geschichte der englischen Sprache

Das hat was mit der besonderen Geschichte der englischen Sprache zu tun, die aus vielen Lehnwörtern, beispielsweise aus dem ursprünglichen Angelsächsischen, besteht. Während sich über Jahrhunderte die Sprache der Menschen veränderte, wurden die Schreibweisen der Wörter jedoch kaum angepasst. Die Folge ist, dass gleich klingende Laute in teilweise mehreren Lauten verschriftlicht werden können.

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Nehmen wir das auf Deutsch gesprochene -i-, das in folgenden Schreibweisen auftauchen kann:

  • green
  • here
  • eat
  • busy
  • believe

Lautgetreues Schreiben ist hier nicht möglich!

Und wenn wir uns das Wort “here” genauer anschauen, dann stellen wir fest, dass eine nicht-automatisierte Wortbild-Erkennung zwangsläufig zu einer fehlerhaften Aussprache führt:

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he (Aussprache -i-) → her (Ausprache -ö-) → here (Aussprache -i- mit einem stummen -e- am Ende)

Dieses Switchen der Aussprache während des Wortaufbaus wäre von einem Kind mit Lese-Rechtschreibschwäche schlichtweg nicht zu leisten. Und genau das macht die automatisierte Wortbild-Erkennung im Englischen noch wichtiger.

Mit dieser Lernkartei übe ich die gleiche Aussprache von Wörtern bei gleicher Schreibweise. Wie bereits erwähnt, gibt es verschiedene Schreibweisen für ein und dieselben Laute. Aber all diese Unregelmäßigkeiten kommen nicht nur vereinzelt vor und können geclustert (also sortiert) thematisiert und gelernt werden.





1.2. Englisch als Herausforderung

Kinder, die also bereits mit erheblichen Schwierigkeiten in der Muttersprache starten, haben es daher oft auch in der Fremdsprache Englisch nicht leicht. Hier lege ich besonderen Wert auf “oft”, denn es gibt auch immer wieder Kinder, die beweisen, dass im Leben alles möglich ist. Aus meiner persönlichen Erfahrung heraus hat dieser Unterschied jedoch sehr viel damit zu tun, ob ein lese-rechtschreibschwaches Kind “nur” bestimmte Regeln der deutschen Rechtschreibung nie verinnerlicht hat und aus diesen Regelfehlern heraus mit ihrem Fehlerquotienten in die Kategorie LRS eingeordnet werden oder ob sie zusätzlich noch Schwierigkeiten in den Bereichen Lesegeschwindigkeit und / oder auditive Wahrnehmung mitbringen.

2.Wie können Eltern Ihre Kinder bei Englisch unterstützen?

Bevor Sie nun weiterlesen, möchte ich Ihnen einen der wichtigsten Punkte mit auf den Weg geben, wenn Ihr Kind eine Lese-Rechtschreibschwäche hat. Diese Erkenntnis kann maßgeblich zum Erfolg oder Misserfolg Ihres Kindes im Englischunterricht beitragen: Die Erkenntnis, dass Ihr Kind das ohne Ihre Hilfe kaum schaffen kann!

2.1. Beim Lernen unterstützen

  • Ermuntern Sie Ihr Kind dazu, die Wörter beim Lernen “auf Deutsch” auszusprechen. Die Stolperfalle im Wort sollte dabei fester Bestandteil der zu lernenden Vokabel sein.

“Das englische Wort für Mäuse ist mice (gesprochen miße) mit einem -c- in der Wortmitte.”

Der Anteil des Schreibens ist im Englischunterricht wesentlich höher als der Sprechanteil. Mit dieser Methode bringen Sie Ihrem Kind keine falsche Aussprache bei, sondern üben mit ihm Skills, die es unmittelbar beim nächsten Vokabeltest anwenden kann.

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Mit den Spielen von Spielingo lassen sich englische Vokabeln viel leichter lernen.

Lernen Sie gemeinsam

  • Unterstützen Sie Ihr Kind bei den Fachbegriffen, die ihm beim Lernen immer wieder begegnen. Pronomen, Prädikate, Nominalisierungen, Adverbien, Adverbiale Bestimmungen, Imperativ, Indikativ, Konjunktiv – die Liste an grammatischen Fachwörtern ist lang, die die Kinder im Fremdsprachenunterricht beherrschen müssen. Eine Fremdsprache lernen wir im Vergleich mit der eigenen Sprache. Und um diesen Vergleich in Worte zu fassen, braucht es entsprechende Begriffe. Diese wurden zwar alle im Deutschunterricht bereits besprochen. Aber sind wir mal ehrlich: Welche der eben genannten Fachbegriffe konnten Sie in der Schulzeit sicher erklären?

Da mir genau diese Problematik, die Fachbegriffe gedanklich nicht zuordnen zu können, auch bei meinen Trainingskindern immer wieder begegnet, habe ich bei meinen Lernheften ganz besonderen Wert darauf gelegt, grammatisch relevante Fachwörter zunächst einmal verständlich zu erklären. 

  • Lernen Sie in “schlechten Phasen” lieber jeden Tag nur einen einzelnen Satz, als eine gänzliche Pause zu machen. Damit wirken Sie dem psychologischen Effekt entgegen, dass eine eingelegte Pause gerne ausgedehnt wird mit der Begründung “der eine Tag macht den Kohl jetzt auch nicht fett”. Wenn man stattdessen am Ende einer Durststrecke zurückschauen kann auf das, was man dennoch geschafft hat, denn erfüllt das unser Herz mit Stolz.
  • Sprachgefühl kann nur aus der Sprachnutzung heraus entstehen. Mit drei, vier oder auch fünf Unterrichtsstunden in der Woche (abzüglich Ferienzeiten) lässt sich ein gesundes Sprachgefühl nicht entwickeln. Ihr Kind braucht Ihre Unterstützung, denn von alleine wird es sich außerhalb der verpflichtenden Hausaufgaben nicht mit einer Sache beschäftigen, die ihm sowieso schon schwerfällt.

Lernen Sie anders

  • Machen Sie die Lernmaterialien Ihres Kindes alltagstauglich. Das kann beispielsweise auch das Vokabelheft sein, das nicht mehr Seite für Seite genutzt wird, sondern über die gesamte geöffnete Seite von links nach rechts. So lässt sich eine Vokabel mit etwas zeitlichen Abstand häufiger schreiben oder auch ein ganzer Beispielsatz hinzufügen, in dem die entsprechende Vokabel enthalten ist.
  • Ziel muss es immer bleiben, an einem Tag in der Zukunft auch ohne den Nachteilsausgleich auskommen zu können. Das Motto lautet also stets “so wenig Hilfe wie möglich, aber so viel Hilfe wie nötig”. Warum betone ich das so explizit? Wir Erwachsenen müssen im Hinterkopf behalten, dass sich gesetzliche Vorgaben und Richtlinien auch jederzeit wieder ändern können. Sollte also morgen der Notenschutz abgeschafft werden, dann darf dies nicht bedeutet, dass 40 % unserer Schulkinder (laut Iglu 2021 ist das der Prozentsatz, der in die weiterführende Schule übergeht, ohne ausreichend lesen und schreiben zu können) zu Schulabgängern werden. Wir müssen unsere Kinder mit allen Mitteln dazu befähigen, ihre Lese- und Schreibschwächen zu überwinden! 
  • Wie zu Beginn des Artikels bereits erwähnt, kann mit einer Lese-Rechtschreibschwäche auch ein problematisches Schriftbild einhergehen. Auch dieses sollte in der gesamten Betrachtung unter die Lupe genommen werden. Eine Handschrift, die nicht gut lesbar ist und nicht flüssig von der Hand geht, hemmt den Lernprozess. Digitale Geräte, Apps, verschiedene Medien bieten schnelle Hilfe für unmotivierte Kinder – sie bekämpfen jedoch nicht die Ursache, sondern schaffen ein weiteres Symptom: Anstatt die eigene Handschrift zu entwickeln, wird sie zusehends abgeschafft. Dr. Dina Beneken erklärt, warum eine sichere Handschrift so wichtig ist für den Lernprozess.

Meine Kollegin Diana Selig hat in einem Buch all ihr Wissen über ein gehirngerechtes Lernen der Fremdsprache Englisch zusammengefasst – ein Muss für alle Eltern, die mit ihrem Latein (ähm Englisch) am Ende sind. Die gehirn-geniale Vokabelformen für Englisch* ist gefüllt mit Ideen und Tricks, wie Sie Ihr Kind beim Lernen der englischen Vokabeln unterstützen können. Denn mit “mehr Vokabeln lernen” oder “sich mehr anstrengen” ist es in aller Regel nicht getan bei einer Lese-Rechtschreibschwäche. In ihrem Elternclub zeigt Diana Selig, wie sie mit ihrem Kind gemeinsam lernen können. So wird Englisch vom Angst- zum Lieblingsfach.

2.2. Was kann beim Lernen verwirrend sein?

Unterschiede zwischen verschiedenen Sprachen sind normal. Dafür hatten sie viel zu viel Zeit, um innerhalb von Landesgrenzen zu wachsen, während verschiedene geschichtliche Ereignisse für Vermischungen sorgten.

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Von daher erkläre ich meinen Schülerinnen und Schülern immer: Versuche gar nicht erst, deinen deutschen Satz 1:1 ins Englische zu übersetzen. Das Englische zieht für die Nutzung der Zeitformen beispielsweise ganz andere Kriterien heran wie das Deutsche.

Die deutsche Sprache ist (was Zeitformen betrifft) sehr einfach gestrickt:





  • Futur II = die abgeschlossene Zukunft 
  • Er wird seine Hausaufgaben gemacht haben (, wenn wir zurückkommen.
  • Futur I = die Zukunft 
  • Er wird seine Hausaufgaben machen (, schließlich haben wir ihm das gesagt).
  • Präsens = Gegenwart
  • Er macht seine Hausaufgaben (und macht mich damit zu einer sorgenfreien Mutter).
  • Präteritum = geschriebene Vergangenheit (also in Geschichten, Märchen, Berichten, etc.
  • Er machte seine Hausaufgaben.
  • Perfekt = gesprochene Vergangenheit (also auch in unserer Umgangssprache)
  • Er hat seine Hausaufgaben gemacht.
  • Plusquamvergangenheit = Vorvergangenheit
  • Er hatte seine Hausaufgaben gemacht (, lange bevor wir auf dem Rückweg waren).

Das sieht doch wunderbar übersichtlich aus, oder?

Das Englische tickt da ganz anders. Es gleicht nämlich jede Zeit (also Zukunft, Gegenwart und Vergangenheit) nach bestimmten Kriterien miteinander ab.

  • I go to school.
  • Simple Present, denn es ist eine regelmäßige Handlung, die auch jetzt in der Gegenwart stattfindet.
  • I am going to school.
  • Present Progressive, denn diese Handlung findet jetzt gerade nur einmalig statt. 
  • An diesem Beispiel habe ich die Unterscheidung der beiden Präsens-Zeitformen im Englischen während der Corona-Zeit erklärt. Denn auf viele meine Schülerinnen und Schüler traf 2020 nicht zu “I go to school”, sondern “I am going to school.”
  • Yesterday I played in the garden.
  • Das Simple Past ist die klassische Zeitform der Vergangenheit im Englischen. Sie wird verwendet, wenn abgeschlossene Ereignisse in der Vergangenheit wiedergegeben werden – ein Unterschied, zu dem das Deutsche ebenfalls gar nicht in der Lage ist.

Mit Triple English lassen sich die unregelmäßigen Verbformen spielerisch lernen.

  • I have played in the garden for three hours.
  • Das Present Perfect ist ebenfalls eine Zeitform der Vergangenheit. Es muss verwendet werden, wenn eine Handlung zwar in der Vergangenheit begann, aber bis in die Gegenwart hinein einen Bezug hat.
  • Ins Deutsche würden wir diesen Satz mit “Ich spiele seit drei Stunden im Garten.” Die deutsche Sprache betont also, dass eine Handlung noch immer im Gange ist und setzt sie deshalb ins Präsens. Das Englische hingegen betont, dass die Handlung in der Vergangenheit begonnen hat.

Ich könnte diese Auflistung noch ewig fortführen … Ich denke, Sie sehen schon jetzt, worauf ich hinaus möchte: Es ist wichtig, dass Ihr Kind die wesentlichen sprachlichen Unterschiede kennt. Und diese kann es nicht alleine erkennen!

Zahlreiche Übungsformate zu den englischen Zeitformen habe ich hier zusammengestellt.

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2.3. Weitere Fallstricke

  • Im Englischen werden Namen und Eigennamen (wie Städtenamen oder Sehenswürdigkeiten) großgeschrieben – aber eine Großschreibung von Nomen, so wie wir es kennen, gibt es nicht. Das kann für ein Kind mit Lese-Rechtschreibschwäche eine große Befreiung sein. Es kann aber auch zu Verwirrung beim Vokabellernen führen. 
  • Das Wort “play” kann gleichermaßen Verb und Nomen sein. In vielen Englischbüchern wird dieses Dilemma gelöst durch ein vorangestelltes “to”. Diese Herangehensweise kann sehr hilfreich sein – aber nur für Kinder, die die Bedeutung des “to” verstanden haben.

Ein ganzes Buch zum Thema englische Grammatik ist von Miranda Jehle erschienen.  

3.Fazit

Das Fazit dieses Artikels ist so logisch wie erschreckend: Ein Kind mit Lese-Rechtschreibschwäche ist auf unsere pädagogische und didaktische Unterstützung angewiesen. So wünschenswert es wäre, dass Schule seinen Bildungsauftrag in vollem Maße nachgehen könne, so unrealistisch ist dies auch. Die letzten Jahre und Jahrzehnte zeigen deutlich, wie tief der Graben zwischen denen geworden ist, die Förderung erhalten (in welcher Form auch immer) und denen, die die Förderung verwehrt bleibt (aus welchen Gründen auch immer). 

Packen wir es an und tun wir, was wir können, damit die jetzige Schülergeneration gut durch die Schulzeit kommt!

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Und sollten Sie gerade vor der Frage stehen, welche 2. Fremdsprache für Ihr Kind mit Lese-Rechtschreibschwäche wohl das kleinere Übel wäre, dann kann ich Ihnen den Tage “Die Wahl der 2. Fremdsprache bei LRS” sehr ans Herz legen.

Und zum Abschluss möchte ich Ihnen noch einen Artikel von Diana Selig empfehlen, in dem Sie Eltern eine Übersicht über verschiedene Englisch-Lernhilfen gibt.













 

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