S wie Spaß – aus “Kinder mit LRS stärken”

Spaß beim Lesen und Lernen

S WIE SPAß

Dinge, die wir nicht gut können, machen uns keinen Spaß! Wir versuchen, diese Dinge zu vermeiden, ihnen aus dem Weg zu gehen. Sie sind einfach nicht das, worauf wir uns bereits beim Frühstück freuen.

Dieser Satz trifft mit Sicherheit nicht auf jeden und jede Lebenslage zu – doch für Kinder, die Schwierigkeiten haben beim Erlernen des Lesens und Schreibens, ist er passend! Sie entwickeln Strategien, um ihren “Schwächen” gezielt auszuweichen im Alltag. Dies machen Kinder übrigens nicht in böser Absicht oder (wie ich leider auch immer wieder höre) mit durchtriebener Hinterlist. Dinge zu vermeiden, die mit Misserfolg und Scheitern verbunden sind, ist ein reiner Selbstschutz vor Enttäuschung und Niederlagen. Vielmehr sollte es uns ein Warnsignal sein, wenn Kinder immer wieder zu offensichtlichen “Ausreden” greifen.

Mehr zu diesem Thema und wie man Misserfolgsvermeidungsstrategien bei Kindern erkennt, finden Sie übrigens hier (Klick).

Vermeidung begegnen mit Spaß

Für frustgeplagte Eltern muss die Bezeichnung “spielerisch Lernen” dann wie Musik in den Ohren klingen! Kein Stress mehr? Kein Streit mehr? Lernen macht Spaß? Wir spielen und am Ende sitzt alles?

Ganz so einfach ist es leider nicht.

Und nun muss ich ein wenig ausholen. Denn selbstverständlich dürfen Sie mit Ihrem Kind Spiele spielen. Und selbstverständlich darf auch das Vokabellernen in ein Kreuzworträtsel verpackt sein. Und natürlich können zahlreiche Lernspiele dazu beitragen, den Unterricht aufzulockern.

Ein pädagogischer Ansatz, Lerninhalte grundsätzlich mit Spiel und Spaß vermitteln zu wollen, sollte skeptisch betrachtet werden. Denn so nimmt man den Kindern die Chance, zu lernen, dass auch das Lernen an sich Spaß machen kann. Ich bezeichne es gerne als Flow – dieses Gefühl, voll und ganz in einer Sache vertieft zu sein und dabei Glücksgefühle zu verspüren.

👉 Lernen nur in Verbindung mit Spielen zu “verkaufen” hat einen gewaltigen Vorteil.

✔️Das Spiel macht Spaß.

👉 Und es hat einige Nachteile.

✔️ Kinder merken sehr deutlich, wenn wir ihnen etwas vormachen. Ein Geburtstagstisch voller Spiele mit Zahlen und Rechnen ist kein pädagogisch wertvolles Geschenk, sondern ein Vertrauensbruch, denn dieser Tisch schiebt das Defizit in den Fokus.

✔️ Kinder werden älter und möchten vielleicht nicht mehr nur Spiele spielen – aber wie sollen sie den Stoff dann lernen? Sie haben schließlich nie eine andere Methode für sich entdecken können.

✔️ Eine Erwartungshaltung, dass die Dinge Spaß machen müssen, entwickelt sich. Diese ist jedoch realitätsfern und kann im Laufe der Entwicklung nur zu Enttäuschungen führen.

✔️ Die Fähigkeit, aus einer vielleicht unliebsamen Handlung (dem Weg zum Ziel) innere Zufriedenheit zu ziehen, muss genauso wie viele andere Erfahrungen im Leben gemacht und geübt werden. Das Zerlegen eines größeren Ziels in kleinere Teilabschnitte (und somit auch Teilerfolge) kann die Freude über das erreichte Ergebnis mitunter ins Unermessliche steigern. So kann der Stolz über eine gute Note beispielsweise sehr unterschiedlich lange anhalten, je nachdem, wie viel Mühe in sie investiert wurde.

✔️ Das Leben ist eine Aneinanderreihung von Herausforderungen und Menschen mit einer gesunden Resilienz (= die Fähigkeit, mit schwierigen Situation im Leben umzugehen), begegnen diesen positiver als andere. 

👉 Hat dieses Thema Ihr Interesse geweckt? Auf Wikipedia finden Sie übrigens einen tollen Übersichtsartikel zum Thema Resilienz.

Spaß als Belohnung nach der Arbeit

☹️ Miteinander zu spielen macht überhaupt keinen Spaß mehr, weil alles boykottiert wird?

😀 Seien Sie ehrlich zu Ihrem Kind und versuchen Sie es gar nicht erst durch die Hintertür. “Ich weiß, Monopoly ist ein Spiel mit richtig großen Zahlen und deshalb willst du es nicht spielen. Aber glaube mir, du verpasst was, wenn du es gar nicht erst probierst. Wie wäre es, wenn wir erst einmal ein paar langsame Runden spielen mit Schmierzettel zum Rechnen. Du wirst sehen, wenn wir das Rechnen nicht so ernst nehmen, macht es richtig Spaß!” Sie sehen, ich bin ganz gewiss kein Feind des Spielens! 👍

👉 Ich habe übrigens eine ganz tolle Kollegin, die auf ihrem Youtube-Kanal Spiele und deren Potenziale zum Lernen vorstellt. Einfach hier klicken.

☹️ Die Hausaufgaben sind ein Kampf?

😀 Stellen Sie sich und Ihrem Kind eine Belohnung in Aussicht!

☹️ Das abendliche Lesen ist eine Last?

😀 Teilen Sie sich die Arbeit und wechseln Sie sich mit Ihrem Kind nach jedem Absatz ab!

☹️ Die Vorbereitung für das Referat endet im Streit?

😀 Auch hier können Sie sich die Arbeit teilen – der eine recherchiert und erzählt, was er herausgefunden hat und der andere macht die Stichpunkte!

☹️ Das Vokabellernen funktioniert so gar nicht?

😀 Fragen Sie sich gegenseitig ab. Manchmal wird die Arbeit schon dadurch erträglicher, dass man sie nicht alleine bewältigen muss!

Erleben Sie mit Ihrem Kind, dass Spaß nicht immer nur Spielen bedeutet – auch ein Miteinander kann schwierige Situationen zur gemeinsamen Freude werden lassen.  Auch Belohnungen zwischendurch können die Freude sein, auf die man hinarbeitet.

Gute Gefühle muss man manchmal bewusst suchen – und sie dann genießen

☝️ Wichtig: Helfen Sie so viel wie nötig, aber so wenig wie möglich! Eine solche Herangehensweise ans Lernen kann für soziale Bindungen stärkend sein. So darf auch gemeinsam geflucht, geschimpft und gemeckert werden. Doch die gemeinsame Freude über das Geschaffte und das gemeinsame konzentrierte Arbeiten sollte dabei stets überwiegen – auch wenn es manchmal genug Grund zur Beschwerde gäbe, sollten wir unseren Kindern vorleben, in allen Lebenslagen einen gesunden Optimismus zu bewahren!

☝️ Und nicht vergessen: Lehrerinnen und Lehrer sind keine Feindbilder! Wenn am Schreibtisch mal Dampf abgelassen werden muss, dann bitte immer nur über die Sache (bei “Die Leiden des jungen Werther” leide ich leider auch ganz schrecklich), niemals über die Lehrkraft (“Wie kann man nur…”).  Ich streite nicht ab, dass der Dampf bei einigen Lehrern nicht auch mal berechtigt wäre – doch aus psychologischer Sicht macht es das Leben sehr viel schwieriger, wenn man sich eine Person zum Feind macht, der man allerdings nicht “entkommen” kann. 

☝️ Belohnungen sollten in diesem Zusammenhang keinen materiellen Wert haben! Es geht um die Stärkung Ihrer gemeinsamen Beziehung und der Haltung gegenüber Schule – ein neues Playstation-Spiel (klassisches Beispiel), wäre hier eine absolut kontraproduktive Belohnung.

Ein paar Anregungen für Belohnungen finden Sie in einem anderen Artikel (Klick).

Spaß beim Lesen und Lernen

MEINE PERSÖNLICHEN EMPFEHLUNGEN

Aus meinem persönlichen Spieleschrank möchte ich Ihnen nun ein paar ganz persönliche Empfehlungen* vorstellen.

Generell ist es so, dass ALLE Spiele verschiedene Kompetenzen fördern, sei es Logik, Strategie, Geduld, Geschicklichkeit, Vorausschau etc. Wenn Sie mit Ihrem Kind gemeinsam ein Spiel spielen, können Sie also keine Fehler machen! 

SPIELEN IST DER KÜRZESTE WEG ZWISCHEN ZWEI KINDERN

Ja, ich gebe es zu! Der Spruch ist geklaut und muss eigentlich lauten 🌻”Ein Lächeln ist der kürzeste Weg zwischen zwei Menschen”🌻. 

Aber bei Kindern beobachte ich tatsächlich nicht selten, dass ein Lächeln gar nicht immer die erste Form der Kontaktaufnahme ist (so, wie man es vielleicht denken würde). Aber das scheint in der Welt der Kinder egal zu sein! Da werden auch schüchterne Kinder, mürrisch blickende Kinder, meckernde Kinder oder weinende Kinder gefragt, ob sie mitspielen möchten 😂

Im Rahmen eines Schachturniers durfte ich erleben, dass Kindern eigentlich so ziemlich alles egal ist, wenn es ums Spielen geht.

Sie füllen ihre Mannschaften auf mit denen, die Lust haben und feiern ihre Tore mit anderen, mit denen sie vorher vielleicht noch nie ein Wort gewechselt haben. Völlig egal! Das Spiel zählt!

 

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