Ü wie Üben – aus “Kinder mit LRS stärken”

Üben

Üben und wiederholen und üben und wiederholen? Oder abwechslungsreiche und anwendungsorientierte Aufgaben? Klare Antwort: Jein!

Was ist besser?

Abwechslung im Unterricht ist wichtig, um die Motivation zu erhalten. Anwendungsaufgaben sind wichtig, um Schüler*innen den Sinn und Zweck des Gelernten näherzubringen.

😕Für ein Kind mit wackeligen Basiskompetenzen bedeutet dies allerdings oft, auf unsicherem Wissen noch mehr Unsicherheiten aufzubauen. In einer Stresssituation wie der Klassenarbeit kommt noch die Aufregung hinzu und dann ist das Scheitern vorprogrammiert.

Aus diesem Grund sollte ein  Kind möglichst nie mit einem vagen Halbwissen in die Lernkontrolle zu gehen. Es gibt Kinder, die dies mit Logik und Eselsbrücken ausgleichen können… Kindern mit einer Lese-Rechtschreibschwäche gelingt dies meist nicht.

Üben hat einen schlechten Ruf

Das Üben von Inhalten und Themen hat nach meinem Empfinden einen ziemlich schlechten Ruf bekommen.

Es gilt als

👎 immer wieder durchkauen

👎 einmal anschauen reicht

👎 langweilig, öde und überflüssig

👎 unnötig, wenn ich es doch verstanden habe

Das Problem: Erst in der Anwendung erkenne ich, ob ich eine Sache WIRKLICH verstanden habe. Üben ist also keine sinnfreie Beschäftigungstherapie, sondern eine Möglichkeit des Gehirns, das Gelernte immer wieder in der Praxis zu überprüfen.

🚀 Auch bei der Rechtschreibung.

Rechtschreibfehler ist nicht gleich Rechtschreibfehler

Und bevor Sie mit dem Üben starten, ist es sinnvoll, genauer auf die Fehler zu schauen. Denn nicht jeder Rechtschreibfehler ist auch ein Rechtschreibfehler.

Fehler beim Schreiben können viele Ursachen haben und ein genauer Blick auf die Gedankenwelt des Kindes lohnt sich! Nicht jede Ursache lässt sich sofort erkennen. 

Die drei wichtigsten und aus meiner Erfahrung häufigsten Ursachen möchte ich nun kurz erläutern:

📌 Wahrnehmungsstörungen

Es gibt Kinder, die den Unterschied beispielsweise zwischen harten und weichen Konsonanten nicht eindeutig hören. Auch das Unterscheiden von langen und kurzen Vokalen kann Schwierigkeiten bereiten oder das Heraushören eines -r im Wort.

Diese oder andere Differenzen der akustischen Wahrnehmung (auch als Teilleistungsstörung bezeichnet) machen es den Kindern schwer, das Gehörte exakt zu differenzieren und letztlich auch niederzuschreiben.

Ein Lerntraining würde hier besonderen Schwerpunkt auf die Wahrnehmungsbereiche legen.

📌 Nicht abgeschlossene Speicherprozesse

Wird ein Wort immer wieder in verschiedenen Varianten gelesen oder geschrieben, so kann eine nicht automatisierte Wortbild-Erkennung die Ursache sein.

Fehlerhafte Aufzeichnungen (die eigenen oder die anderer), ein unsauberes Schriftbild, mangelnde Übung oder diskutable Unterrichtsmethoden ohne konkrete Fehlerkorrektur können zur Folge haben, dass die endgültige Abspeicherung eines Wortbildes nie stattfinden konnte.

Das Gehirn lernt durch Wiederholung, welche ihm jedoch nicht geboten (oder sogar verweigert) wurde.

Dies wiederum führt dazu, dass die Schreibweise eines Wortes immer und immer wieder neu erarbeitet werden muss und in einem Text ein und dasselbe Wort mitunter in drei verschiedenen Varianten auftaucht.

Und nun die gute Nachricht: Die automatisierte Wortbild-Erkennung kann in einem Lerntraining (in manchen Fällen genügt eine Lesetraining) nachgeholt werden.

📌 Logische Fehler

Mitunter kann es vorkommen, dass Kinder Rechtschreibfehler machen und die Ursache dafür schon beinahe banal klingt:

Ihnen wurde nie gesagt, auf welche Regeln oder Strategien sie zurückgreifen können. Sie machen bestimmte Fehler immer wieder mit einer für sie logischen Erklärung.

Ein Beispiel: befohr  (statt bevor) klingt von der Aussprache wie das Wort Gefahr. Warum also sollte es gänzlich anders geschrieben werden?

Hier kann ein Rechtschreibtraining Wunder bewirken!

Üben gibt Sicherheit

Wiederkehrende Inhalte dürfen also durchaus „bis zum Erbrechen“ geübt werden. Erst, wenn das 1×1, die englischen unregelmäßigen Verben, die Formel für den Satz des Pythagoras und die Fragen nach den Satzgliedern den Puls nicht mehr erhöhen, lässt sich mit der nötigen Gelassenheit zur nächsten Aufgabe gehen.

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