Sprachförderung im Kindergarten

Sprachförderung

Meine Materialien

Meine Packe meinen Koffer mit unbezahlter Werbung aus Überzeugung und nehme mit

✔ ein Bildwörterbuch, welches noch aus der Zeit stammt, als ich mit erwachsenen Strafgefangenen mit unterschiedlichen Muttersprachen gearbeitet habe.

Ich habe es auch damals nie gebraucht, aber es hat mir immer ein gutes Gefühl gegeben, im Notfall auf einen sehr breiten Bildwortschatz zurückgreifen zu können.

Das Wörterbuch gibt es beispielsweise bei Amazon.

 

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✔ einen Stapel Memorykarten.

Die Spiele von Bildermaus gibt es in vielen verschiedenen Varianten und ich glaube, ich habe sie alle 🙈

Es gibt immer eine Karte mit einem großen Bild und eine dazugehörige Karte mit einem großgeschriebenen Wort (beispielsweise auch mit der englischen Übersetzung, der Mehrzahl, etc.), wodurch ich die Spiele im Lerntraining regelmäßig im Einsatz hatte.

Nun habe ich für den Anfang ein paar Karten mit relevanten Begriffen herausgesucht.

Auch dieses Spiel gibt es beispielsweise bei Amazon.

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Meine Erkenntnisse

Was gibt es zu beachten, zu bedenken, zu berücksichtigen, zu lernen? Meine Tasche soll schließlich nur Werkzeug sein.

WOCHE 1

✔ Solange die Kinder mich nicht kennen, spielt es keine Rolle, was in dieser Tasche steckt!

Sie verstehen meine Worte nicht. Ich kann ihnen nichts über mich oder meine Absichten erzählen. Aber sie sehen mein Lächeln. Sie hören meinen freundlichen und zugewandten Tonfall. Es spielt (noch) keine Rolle, WAS ich sage – es ist nur wichtig, WIE ich es sage.

✔ Ich gebe nicht vor, was wir tun – sondern ich beteilige mich an dem Spiel des Kindes.

Ich lobe, was das Kind tut. Ich beschreibe die Handlungen des Kindes mit Worten. So lernt es meine Stimme, meinen Satzklang und meine Art kennen, ohne dass wir uns in einer „Prüfungssituation“ befinden. Ich lasse von dem Kind durch das Spiel führen, ohne in den Spielfluss einzugreifen.

✔ Ich bin ein Teil der Gruppe.

Das Kind vor den „Einmischungen“ anderer Kinder zu schützen und es gleichzeitig nicht zu isolieren, liegt in meiner Verantwortung.

✔ Zuhören statt reden.

Eine Sprache zu lernen im Rahmen der Integration (wie hier in den Kindergarten) ist keine freie Entscheidung, keine pure Freude am Sprachenlernen und es gibt auch keinen Chef, der mit der Gehaltserhöhung winkt für so viel Engagement. Es ist der Drang zu überleben! Und das sage ich nicht, damit mein Text ganz besonders dramatisch klingt! Ich sage es, weil die Frage nach mehr Nudeln, nach der Toilette, nach dem Ausgang, nach mehr Zeit, etc. etwas mit überleben zu tun. Eine Seele wird entweder gehört und verstanden und kann sich weiter entfalten. Oder sie muss weit hinter ihren Möglichkeiten zurückbleiben, weil sie sich nicht auszudrücken weiß und die Verzweiflung darüber findet irgendwann ihren Weg – oft in Form von Wut oder in Form von Abschottung.

WOCHE 2

✔ Zuhören geht nur leise.

Menschen sind unterschiedlich. So sehr unterschiedlich! Und während manche Kinder von ihrem ganzen Wesen her immer etwas lauter und impulsiver sind, gibt es eben auch die Stillen. Sie können nicht weniger als andere! Sie sagen es nur leiser. Und manchmal ist es sogar nur ein Flüstern.

✔ Auch ich lerne etwas.

Interesse an der Sprache meines Gegenübers zu haben, hat auch etwas mit Wertschätzung zu tun. Deswegen habe ich mir von einem meiner Trainingskinder ein paar Sätze beibringen lassen in der Muttersprache eines der Kindergartenkinder. Das klappt natürlich nicht mit allen Sprachen – aber es ist ein Anfang. 

Und ich wurde liebevoll daran erinnert, wie schwer es ist, eine Sprache zu lernen: “Frau Rohrbeck, es klingt falsch, aber er wird es verstehen.” Ja, auch für mich gibt es noch viel zu lernen 🙈

WOCHE 3

✔ Längere Pausen vermeiden.

Durch Schließungstage, Krankheit oder aus sonstigen Gründen kann es immer wieder zu Unterbrechungen kommen – teilweise auch über mehrere Tage oder (wenn es ganz ungünstig kommt) über Wochen. Diese Pausen sollten, wann immer es organisatorisch möglich ist, vermieden werden. Denn für die Kinder bedeuten sie immer wieder einen Rückwärtsschritt. Je kontinuierlicher hingegen unsere Zusammenarbeit ist, umso schneller zeigen sich erste Erfolge. 

Einem erwachsenen Sprachenlerner kann man mit Hausaufgaben versorgen – ein dreijähriges Kind muss erstmal wieder zurückfinden in die neue Sprache … und zu seinem Mut.

WOCHE 4

✔ Der Fokus ist “das Kind” – nicht “der Sprachkurs”

Mit dreijährigen lässt sich ein Sprachlernkurs nicht gestalten, wie man sich diese vielleicht an der VHS vorstellt. Kinder in diesem Alter setzen sich nicht vor eine Tafel und wiederholen im Chor die Sätze, die ihnen vorgesprochen werden. Sie möchten Türme bauen, mit Autos die wildesten Karambolagen simulieren oder den Puppen Sachen an- und ausziehen … und zwar in Dauerschleife. Und in diesen Handlungen versteckt sich auch der für sie wichtige Wortschatz.

📌 notwendiger Alltagswortschatz: Besteck und Geschirr, die Möbel im Gruppenraum, alles Wichtige für den Gang ins Bad, Kleidungsstücke

📌 notwendiger Spielwortschatz: je nach Vorliebe des Kindes

📌 Wortschatz für schnelle Erfolge und Spiele: Namen, Farben, Zahlen, Körperteile

🎯 Mein Ziel ist es, bei jeder Begegnung Wörter aus diesen drei Wortschatzbereichen zu wiederholen, um  die Kinder möglichst schnell zur Interaktion innerhalb der Kindergartengruppe zu befähigen.

WOCHE 5

✔ Wut ist ein Symptom, keine Ursache.

Nicht verstanden zu werden, kann schrecklich frustrierend sein. Dafür muss man noch nicht einmal unterschiedliche Sprachen sprechen. Wenn Kinder in dieser Phase also Wutausbrüche haben oder anderen Kindern gegenüber übergriffig werden, sollten wir uns dafür hüten, dies als “Problem des Kindes” zu verbuchen. Es ist sehr wahrscheinlich ein “Problem der Sprache”. 

WOCHE 6

✔ Call & Response

Eine effektive Methode der Fremdsprachendidaktik ist das sogenannte “Call & Response”. Die lehrende Person gibt ein Wort, einen Ausdruck oder einen Satz vor. Die lernende Person wiederholt. Anschließend bestätigt die lehrende Person das Gesagte lobend und wiederholt sich noch einmal.

Ich kommentiere also die meiste Zeit das, was die Kinder tun. Wird mir das leere Glas Wasser hingehalten, so gebe ich den Kindern mit einer Geste zu verstehen, meinen Satz zu wiederholen: “Kann ich bitte Wasser haben?”. Das klappt mal mehr und mal weniger gut. Doch jeder einzelne gesprochene Satz ist Grund zur Freude!

Insbesondere stillere und zurückhaltendere Kinder nehmen dieses “Angebot” gerne wahr – von sich aus zu sprechen kostet sie sehr viel Überwindung. Ein vorgegebener, also definitiv richtiger Satz, wird von ihnen dankbar angenommen. Ja, auch im sehr frühen Kindergartenalter sind solche Charaktereigenschaften und Wesenszüge teilweise schon sehr klar ausgeprägt.

WOCHE 7

✔ Raus aus der Komfortzone

Aufgrund der Sprachbarriere konnte ich den Kindern nie erklären, was ich eigentlich mache und wofür ich da bin. Doch sie hatten schon nach der ersten Woche verstanden, dass sie mich größtenteils ganz für sich alleine haben. Klar, das Switchen zwischen den Kindern, drei Charakteren und drei Bedürfnissen kostet mich an manchen Morgenden viele Ressourcen und Nerven. Doch das ist okay – die Fortschritte belohnen uns mehr als genug!

Nun, nach mehr als sieben Wochen, hat das gegenseitige Vertrauen eine neue Ebene erreicht:

👍 Stille und angepasste Kinder trauen sich nun auch, auf einen Vorschlag (oder eine Vorgabe) mit einem Kopfschütteln zu reagieren. Ich persönlich liebe es, wenn Kinder an diesem Entwicklungsschritt ankommen, denn ab hier ist es kein Lehrer-Schüler-Verhältnis mehr, sondern eine persönliche und individuelle Beziehung (übrigens auch mit meinen Trainingskindern im Lerntraining).

👍 Fordernde und einfordernde Kinder kommen allmählich zur Ruhe und der Fokus liegt nicht mehr nur auf den eigenen Bedürfnissen. An diesem Punkt fangen Kinder an, das Spielen mit den anderen zu entdecken und einen Gefallen an den Routinen des Kindergartenalltags zu finden.

WOCHE 8

✔ Erste Meilensteine

Woche 8 der gemeinsamen Zeit beginnt mit einem kleinen großen Erfolg. Zum ersten Mal konnte ein Morgenkreis mit allen Kindern stattfinden, ohne dass ich mit mindestens einem Kind den Raum verlassen (musste). Bisher war meine Strategie, zusammen mit dem jeweiligen Kind aus der Situation zu gehen, wenn durch Unruhe die Stimmung der gesamten Gruppe zu kippen droht. Nach acht Wochen war dies nun zum ersten Mal nicht mehr nötig und ich freue mich wahnsinnig darüber!   

Wie alles begann

Ich wurde gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, Kinder mit einer anderen Muttersprache als Deutsch im Kindergarten beim Spracherwerb (Sprache verstehen und sprechen) zu unterstützen.

🌞 Klar! Vorstellen kann ich mir sowieso immer erstmal alles! 🌞

Zu meinem Hintergrund

Ich bin Gymnasiallehrerin für die Fächer Biologie und Französisch. Schon während des Studiums habe ich in einem Nachhilfeinstitut mit dem Schwerpunkt Lese-Rechtschreibschwäche / Legasthenie gearbeitet und hier ein starkes Interesses an den Förderbereichen Lesen und Schreiben entwickelt. Losgelassen haben mich diese Themen nie und so arbeite ich heute als Selbstständige mit Kindern und Jugendlichen mit besonderen Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben, mit einem Fernstudium zur diplomierten Legasthenietrainerin und als Lerntrainerin (EÖDL) in der Tasche.

Bereits im Jahr 2016 kam die erste Lehrerin auf mich zu mit der Bitte, ein afghanisches Mädchen schulisch zu unterstützen. Ich habe mehrmals betont, dass ich keine Ausbildung in DaF oder DaZ habe. Doch die Zeit drängte, die Alternativen für die Schule waren gering, der Druck groß – und ich nahm die Herausforderung an. Zum Glück muss ich aus heutiger Sicht sagen! Dieser junge Mensch hat nach fünf Jahren in Deutschland ein hervorragendes Abitur abgelegt und studiert nun. Ich bin unfassbar stolz und glücklich darüber, dass ich sie auf ihrem Weg ein Stückchen begleiten durfte!

Kritik erlaubt!

Ja, ich nehme die Kritik an, dass man meine Ausbildung nicht genügt, um mit Flüchtlingen zu arbeiten. Nein, es lässt sich nicht sagen, dass meine Arbeit dadurch per se qualitativ schlechter ist als die einer DaF-Lehrerin oder eines DaZ-Lehrers.

Ressourcenorient statt problembehaftet

Wenn Hilfe nötig ist, ist es besser, auf die Ressourcen zurückzugreifen, die man hat und nicht auf die perfekte Lösung zu warten.

So…und nun starte ich also mit drei Kindern, deren Muttersprache ich nicht verstehe und die Wörter vermutlich noch nicht einmal aussprechen kann und bin bereit, von diesen Kindern jede Menge zu lernen!

MEIN ANGEBOT FÜR KINDERGÄRTEN

Meinen ersten Kurs in einem Kindergarten als externe Fachkraft hatte ich 2019/2020.

Damals (es kommt mir schon sooo lange her vor), habe ich mit den Schulis (die Kinder, die sich gerade in ihrem letzten Kindergartenjahr befinden) verschiedene Übungen und Aufgaben gemacht, die sie in der Schule erwarten werden:

✔ Schwungübungen

✔ Stifthaltung

✔ Laute erkennen

✔ Reimwörter finden

✔ Orientierung im Raum und am eigenen Körper (rechts / links, vorne / hinten, oben / unten)

✔ zählen

✔ Mengen erkennen

✔ den eigenen Namen schreiben und wiedererkennen

✔ Geschicklichkeitsübungen

✔ Wortschatz (Farben, Tiere, Gegenstände)

✔ komplexe Aufgabenstellungen umsetzen

✔ u.v.m.

Die Schule-Gruppe wurde so geteilt, dass ich immer nur etwa zehn Kinder gleichzeitig bei mir hatte. Eine Erzieherin unterstützte mich bei der Umsetzung. 

Wie überall, wenn Menschen verschiedener sozialer und kultureller Herkunft, mit unterschiedlichen Bildungsvoraussetzungen und unterschiedlichen Muttersprachen zusammenkommen, mussten die Gruppen schon nach wenigen Terminen neu gemischt werden, um die Basissäulen eines gelingenden Bildungsangebots zu schaffen: Fördern und Fordern

Die einzelnen Kinder konnten das Angebot nicht alle gleich wahrnehmen – eine Neusortierung sollte den einzelnen Bedürfnissen also besser gerecht werden können.

Denn

📌 schüchterne und stille Kinder profitieren nur dann von dem Angebot, wenn es ihr Selbstbewusstsein stärkt.

📌 nicht muttersprachlich deutsche Kinder profitieren nur dann von dem Angebot, wenn sie es verstehen und umsetzen können.

📌laute und unruhige Kinder profitieren nur dann von dem Angebot, wenn sie zur Ruhe kommen können und die Anforderungen ihrer Konzentrationsfähigkeit entspricht.

📌 Angepasste und aufmerksame Kinder profitieren nur dann von dem Angebot, wenn es nicht alleine auf kognitiven Fähigkeiten aufbaut, sondern auch andere Kompetenzen fördert, wie Empathie, Hilfsbereitschaft oder Geduld.

Mein Fazit:

Für einen gelingenden Start in die Schule werden die Grundsteine bereits im Kindergarten gelegt. Hier an Investitionen zu sparen (Fachkräfte, finanzielle Ressourcen, Räume, Fortbildung, etc.) bewirkt nur eine Verschiebung von Problemen. 

Frühzeitige und langfristige Investitionen hingegen können Problemherde direkt im Keim ersticken. 

Kinder haben von Natur aus Freude am Lernen. Sie möchten gut sein in dem, was sie tun. Sie haben einen inneren Drang, Neues auszuprobieren und zu entdecken. Es ist die Aufgabe der Erwachsenen, dieses Feuer aufrechtzuerhalten 💪

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